Zum Inhalt Zum Hauptmenü Zu weiteren Infos
A A A
drucken

Schöne neue Arbeitswelt

Arbeit und Gesellschaft befinden sich im Wandel. Die Globalisierung hat längst jedes Unternehmen in Österreich erfasst: Verdichtete und beschleunigte Abläufe, flexible Arbeitszeiten, verschwimmende Grenzen von Arbeits- und Privatleben bestimmen den Alltag von vielen. Flexibilität und Mobilität werden heutzutage von den Beschäftigten erwartet.

Du hast (k)eine Chance, nutze sie!

Wer Tag und Nacht erreichbar sein muss, wer das Gefühl hat, dass die Arbeit das Leben dominiert und dass andere Lebensbereiche und Interessen ständig zu kurz kommen, der wird über kurz oder lang unzufrieden, unglücklich, unproduktiv und letztlich krank:

  • Überlange Arbeitszeiten belasten insbesondere das Herz-Kreislauf-System. Stressgeplagte leiden häufiger unter Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkt und Schlaganfall.
  • Überdies kann es zur Gastritis kommen (zur Magenschleimhautentzündung oder zu Entzündungen und Geschwüren im Magen).
  • Selbstverständlich wird auch die Psyche in Mitleidenschaft gezogen, sodass es zu mentaler Erschöpfung, Schlafstörungen, Angstgefühlen bis hin zum Burnout kommen kann.
  • Lange Arbeitszeiten erhöhen das Unfallrisiko erheblich. Bereits nach der 12. Arbeitsstunde liegt das Unfallrisiko doppelt so hoch wie bei einem normalen Arbeitstag.

Es gibt also viele gute Gründe, die gegen eine Ausdehnung der individuellen Arbeitszeit sprechen. Eine Lösung scheint in der gesundheitsgerechten Gestaltung der flexiblen Arbeitszeit zu liegen. Voraussetzung ist die Bereitschaft von Unternehmen und Mitarbeitern, die unterschiedlichen Interessen unter einen Hut zu bringen. Grundsätzlich bezwecken Unternehmen mit Einführung flexibler Arbeitszeiten eine bessere Anpassung an die Auftragslage sowie bei geringerer Personalgröße mehr Effizienz. Mitarbeiter hoffen, mehr Zeitautonomie und dadurch eine bessere Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben zu erreichen. Entscheidend dabei ist, ob die Beschäftigten einseitig auf die Forderungen des Unternehmens reagieren müssen oder ob ihnen Mitgestaltungsmöglichkeiten eingeräumt werden.

Bereits heute werden zahlreiche Arbeitszeitmodelle praktiziert, wobei einige für die Beschäftigten besser geeignet sind als andere. In vielen Studien wurden herausgearbeitet, dass Schicht- und Nachtarbeit gesundheitliche Beeinträchtigungen sowie psychosoziale und psychovegetative Störungen hervorrufen. Hingegen räumen flexible Arbeitszeitmodelle wie die qualifizierte Gleitzeit (ohne Kernzeit) oder die Vertrauensarbeit (nicht Anwesenheit zählt, sondern die termingerecht erbrachte Leistung) den Mitarbeitern mehr Arbeitszeitautonomie ein und gehen einher mit

  • weniger gesundheitlichen Beeinträchtigungen,   
  • einer höheren Arbeitszufriedenheit und
  • einer besseren Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben.

Der wirtschaftliche Wandel zwingt die Unternehmen zum Umdenken. Angesichts der demografischen Entwicklung mit einem sich bereits heute abzeichnenden Fachkräftemangel, angesichts der steigenden beruflichen Anforderungen und des Wunsches, Familie und Karriere unter einen Hut zu bringen, bedarf es neuer Konzepte und Arbeitszeitmodelle. Wer dauerhaft auf die hohe Einsatz- und Leistungsbereitschaft auch von jungen Eltern baut, muss Maßnahmen setzen (Teilzeit- und Telearbeit, Kindertagesstätten etc.). Gefordert sind innovative Gestaltungskonzepte. Nachweisbar ist, dass sich familienfreundliche Maßnahmen auch betriebswirtschaftlich rechnen. Familienbewusste Arbeitgeber genießen eine hohe Attraktivität bei Beschäftigten und potentiellen Mitarbeitern, verbunden mit einer geringen Fluktuation.

Flexible Arbeitszeitmodelle

Mann schaut auf Uhr

Vor dem Hintergrund einer sich dynamisch verändernden Arbeits- und Lebenswelt steigt die Bedeutung der individuellen Work-Life-Balance. Dieses Konzept geht davon aus, dass die Lebensbereiche zusammenhängen und sich gegenseitig beeinflussen. Eine ausgewogene Work-Life-Balance geht immer mit mehr Wohlbefinden, Gesundheit und gesteigerter Energie einher.

Zufriedenheit und Wohlbefinden eines jeden hängen vom guten Zusammenspiel folgender Bereiche ab:

  • Tätigkeit, Arbeit: Arbeitsklima, Rahmenbedingungen, Führung, Arbeitsplatzsicherheit;
  • Soziales: Balance der Lebensbereiche, Familie, soziale Netzwerke, Beziehungen, Freizeit, Beruf, Entfaltungsmöglichkeiten, Emotionen;
  • Körper: Gesundheitsverhalten, Konstitution;
  • Werte: Wertschätzung gegenüber Leben und Natur, Glaube, Religionen, Träume, Lebensziele.

Es bedarf des gelungenen Zusammenspiels verschiedener Bereiche, damit sich eine allgemeine Lebenszufriedenheit einstellt. Works-Life-Balance ist ein dynamischer Prozess, der einen Ausgleich zwischen Anforderungen und Ressourcen sicherstellt. Für den Umgang mit Belastungen wirken sich eine gehörige Portion Optimismus, Selbstreflexion, Stressresistenz und Selbstwirksamkeit vorteilhaft aus.

Betriebliche Maßnahmen schaffen immer den Rahmen für die Reduzierung von Stress und Belastung und stellen damit eine wichtige Voraussetzung für persönliche Ausgeglichenheit dar. Auf individueller Ebene spielt immer Stress- und Zeitmanagement eine entscheidende Rolle. Dabei sind die persönlichen Interventionsmöglichkeiten vielfältig.

Im beruflichen Bereich: (potentielle) Konflikte mit Vorgesetzten und Kollegen klären, Arbeitszeit an individuelle Bedürfnisse anpassen.

Im sozialen Bereich: mehr Zeit mit Familie, Partner/in, Freunden bewusst einplanen, Zeit für sich selbst reservieren, eigene Bedürfnisse und Anforderungen an andere hinterfragen, Kunst und Kultur genießen, Reisen, Hobbys pflegen, Neues erproben.

Im körperlichen Bereich: Entspannungstraining, Spaziergänge, Meditation, Ausdauersport, gesunde Ernährung, Rückengymnastikkurse, Meditation.

Im Wertebereich: Auszeiten nehmen, Teilzeitlösungen, Gedankenaustausch.

In den meisten Fällen geht es um längerfristige Lösungen, die Zeit brauchen - für Auseinandersetzung, Entschluss und Umsetzung. Gut ist es, verschiedene Maßnahmen in verschiedenen Bereichen zu setzen, die dann im Zusammenspiel ihre volle Wirkung entfalten können. Positive Effekte sind greifbar: Durch gesundheitsbewusste Ernährung und Bewegung kann die Fitness wieder zurückkehren. Paare können ggf. ihren Kinderwunsch leichter und früher erfüllen, ohne finanzielle Einbußen hinnehmen zu müssen. Die Pflege von sozialen Netzwerken sorgt für mehr emotionale Ressourcen und hat damit Einfluss auf die Lebenserwartung, Belastbarkeit und Krankheitsanfälligkeit.

Work-Family-Balance

Pärchen mit Kaffee

Bei den meisten Menschen bestimmen Beruf (Work) und Familie (Family) das Leben. Anders als in der Vergangenheit, wo diese Bereiche räumlich und zeitlich voneinander getrennt waren, die Rollenbilder dem Mann das Berufsleben und der Frau das Familienleben überließen, hat sich in den letzten Jahren dieses Bild radikal geändert. Die wachsende Anzahl berufstätiger Frauen und die neuen Technologien mit den sich ändernden Arbeitsbedingungen wirken sich direkt auf das Berufs- und das Privatleben aus.

In den überwiegenden Fällen tragen Männer einen vergleichbaren oder höheren Anteil zum Familieneinkommen bei. Um auf dem Arbeitsmarkt attraktiv zu werden und zu bleiben, investieren Frauen in Qualifikation und Weiterbildung. Längst ist das klassische Phasenmodell - Berufstätigkeit, Familienphase und Wiedereinstieg der Frauen in den Job um andere Modelle erweitert worden. Nach der Geburt ihrer Kinder kehren die Mütter vermehrt, häufiger und schneller in ihren Beruf zurück. Da Mütter zunehmend einer bezahlten Erwerbstätigkeit nachgehen, kommt es grundsätzlich zu einer Änderung der Zeit- und Rollenverteilung im Beruf- und Privatleben.

Das Vereinbaren von Beruf und Privatleben ist nicht einfach, da gibt es zweifellos noch „Optimierungspotenziale". Eine aktuelle niederösterreichische Studie zeigt, dass 62 Prozent der befragten Männer zur Betreuung ihrer Kinder in Väterkarenz gehen würden und immerhin 75 Prozent zur Teilzeitarbeit bereit wären. Diese abgefragte Bereitschaft steht allerdings im krassen Widerspruch zur gelebten Realität. Laut aktueller Familien- und Haushaltsstatistik liegt bei den berufstätigen Männern ohne betreuungsbedürftige Kinder die Teilzeitquote bei 7,9 Prozent, jene der Väter mit Kindern unter 15 Jahren bei nur 5,0 Prozent. Diese auffällige Diskrepanz ist auf verschiedene Ursachen zurückzuführen.

  • Finanzielle Aspekte: Männliche Teilzeitkarenz ist mit größeren finanziellen Einbußen des Familienbudget verbunden. Auch in Österreich wird das Problem der ungleichen Bezahlung von Männern und Frauen thematisiert. 
  • Papamonat: Bisher haben nur 400 Männer des öffentlichen Dienstes die seit 1. 1. 2011 in der Dienstrechtsnovelle verankerte Betreuung des neugeborenen Kindes in Anspruch genommen. Dieser unbezahlte Papamonat kann maximal vier Wochen während des Mutterschutzes (also innerhalb der ersten 2 Monate nach der Geburt) „bezogen" werden.
  • Angst vor negativen Entwicklungen: Mehrheitlich befürchten Männer eine negative Reaktion des Arbeitgebers und/oder einen Karriereknick bei einer Entscheidung für die Väterkarenz. Da Teilzeitregelungen für männliche Mitarbeiter noch immer ein Minderheitenprogramm sind, sorgt man sich um berufliche Aufstiegsmöglichkeiten.
  • Dem geäußerten Wunsch der Väter, sich mehr als bisher in der Familienarbeit zu engagieren, steht die fehlende Anerkennung gegenüber. Frauen wird die Kindererziehung und Männern der Broterwerb übertragen. Im Sinne der Geschlechtergerechtigkeit ist es an der Zeit, die Entscheidungsspielräume hinsichtlich der gerechten Aufteilung der familiären Gesamtverantwortung von jungen Familien zu erweitern.

Insgesamt birgt eine bessere Vereinbarkeit von Arbeit und Familie, also die Verbindung zweier entscheidender Lebensbereiche, ein ungeheures Potenzial in sich. So erhöht das Leben von mehreren unterschiedlichen, qualitativ hochwertigen Rollen das persönliche Wohlbefinden und damit die individuelle Lebensqualität. Negative Erfahrungen in der einen Rolle können durch positive Erfahrungen in der anderen Rolle kompensiert und Lerneffekte übertragen werden. Zusätzliche Kompetenzen wie Wissen, Fähigkeiten etc. können aufgebaut und in verschiedene Lebensbereiche eingebracht werden. Alles in allem trägt dies zu einem positiven Selbstbildnis und einem höheren Selbstbewusstsein bei.

Übrigens: Fortschrittliche Unternehmen haben großes Interesse daran, die Gesundheit und Leistungsfähigkeit ihrer Mitarbeiter mit familienfreundlichen Maßnahmen zu fördern und damit ein attraktiver Arbeitgeber zu sein.

Doch nicht nur individuelle Faktoren, sondern auch konkrete gesetzliche Maßnahmen beeinflussen die Entscheidung von Vätern für mehr Kinderbetreuung. Dazu gehören Gleichstellung und Gleichbezahlung von Frauen ebenso wie der bedarfsgerechte Ausbau von Kinderbetreuungsplätzen, eine Familienförderungspolitik, familienbewusste Arbeitsorganisation mit flexiblen Zeitmodellen etc.          

Junge Väter starten durch

Vater mit Baby

Jeder Mann weiß aus eigener beruflicher Erfahrung, welche Bedeutung soziale Netzwerke in schweren Lebenskrisen und bei Stress bieten können. Wie in wissenschaftlichen Studien nachgewiesen wurde, kann uns soziale Unterstützung sogar vor Krankheiten wie Depressionen, Angsterkrankungen oder auch vor Infekten schützen, weil sie tatsächlich das körperliche Immunsystem stärkt. Im Umkehrschluss heißt das, dass soziale Isolation das Immunsystem schwächt. Wer am Arbeitsplatz von Kollegen oder Vorgesetzten soziale Unterstützung erfährt, kann die betriebliche Stresssituation besser abfedern. Wer mit guten Freunden regelmäßig auf ein Bier geht oder mit dem Fußball- oder Radverein öfters etwas unternimmt, stärkt sein ganzheitliches Wohlbefinden.

Auch Familie ist ein wesentlicher Aspekt der sozialen Unterstützung für Männer - sofern sie gut funktioniert. Das Leben mit Kindern bietet eine Vielzahl von Anknüpfungspunkten:

Wenn Väter mit kleinen Kindern diese Angebote erkennen und für sich zu nutzen wissen, ergeben sich dadurch enorme Chancen für sie selbst und ihre Familie. Es bedarf eines aktiven Schrittes, um diese sozialen Netzwerke zu suchen und zu beanspruchen. Häufig sind es die Mütter, die stärker nach sozialer Unterstützung suchen, was sicherlich mit dem zugeschriebenen weiblichen Rollenbild zusammenhängt.

Wie sich anhand von Studien nachweisen lässt, kommen soziale Netzwerke jungen Familien in unterschiedlicher Weise zugute. Eltern, die sich auf tragfähige, ausgebildete Netzwerke stützen können, verhalten sich ihren Kindern gegenüber viel liebevoller und herzlicher und kümmern sich weitaus mehr um die Erziehung und Ausbildung ihrer Sprösslinge. Überdies sind sie besser in der Lage, mit Stress und mit Krisen umzugehen, da das Gefühl von „Erziehungskompetenz" vorherrscht.

Welche aktiven Schritte können speziell junge Väter setzen, um tragfähige Netzwerke für sich und ihre Familie zu schaffen? Von zentraler Bedeutung ist die Pflege von Nachbarschaftskontakten, Freundschaften sowie Verwandtschafts- und Familienkontakten. Zudem hilft es, sich für die Wünsche und Gefühle anderer Menschen zu öffnen, um ein vertrauensvolles Miteinander aufzubauen. Sind die ersten Hürden erst einmal übersprungen, stellen sich erste Erfolge meist von selbst ein. Selbstverständlich gilt das Aufeinanderzugehen auch für professionelle Helferinnen und Helfer, die in Erziehungs- und Familieneinrichtungen tätig sind.

Expertinnen und Experten raten jungen Vätern dazu,

  • mit dem Kind bzw. den Kindern hinauszugehen - auf dem Spielplatz, im Schwimmbad etc. halten sich auch andere Eltern mit Kindern auf, die leicht anzusprechen sind;
  • Nachbarn und Freunde zum Essen einzuladen bzw. sich zum Essen zu verabreden;
  • ehrenamtliche Tätigkeiten (z. B. in Vereinen) zu übernehmen oder sich in Freizeitgruppen (z. B. Lauftreffs) zusammenzuschließen, um verlässliche Netzwerke aufzubauen;
  • gemeinsam mit der Partnerin Veranstaltungen (z. B. Kindergarten, Elternabend) zu besuchen und gelegentlich auch allein hinzugehen;
  • eine Männergruppe aufzusuchen, denn auch spezielle Netzwerke für Männer abseits von Beruf und Familie können Unterstützung bieten.

Falls der Aufbau bzw. die Pflege von sozialen Netzwerken nicht ad hoc klappen sollte, besteht kein Grund zur Sorge. Es gilt immer „schön locker" und „am Ball" zu bleiben.

Weiterführende Informationen zum Thema Work-Life-Balance finden Sie auf dem Gesundheitsportal Österreich und dem Männergesundheitsportal Deutschland.   

Quellenverzeichnis

Ausgewählte Literatur

Collatz, A.; Gudat, K. (2011): Work-Life-Balance. Göttingen

Gehrke, A.; Krahnert, L. (2011): Beschäftigte mit flexiblen Arbeitszeiten sind zufriedener. In: Akademiejournal 2/2011

Lehner, E., Matkovits, S.; Heger, N. (2010): Elternorientierte Personalpolitik mit Focus auf Vätern in Niederösterreich. St. Pölten

Statistik Austria (2012): Bevölkerungsstatistik. Wien

Statistik Austria (2012): Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung 2011. Wien

Weitere Informationen unter www.maennerinkarenz.at 


Gesundheit Österreich GmbH
© 2015 Sozialministerium - Männerpolitische Grundsatzabteilung, Impressum, Kontakt, Sitemap