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Osteoporose: Knochenschwund trifft auch Männer

Osteoporose ist längst keine typische Frauenkrankheit mehr. Bereits jeder fünfte Osteoporose-Patient ist ein Mann - Tendenz: steigend! Höchste Zeit, das Bewusstsein für den sogenannten Knochenschwund auch bei Männern zu schärfen. Oft wird eine entsprechende Diagnose zu spät gestellt - nämlich erst nach einem Knochenbruch. Deshalb empfehlen Ärzte allen Männer jenseits der fünfzig, ihr Osteoporose-Risiko regelmäßig prüfen zu lassen und wirksame Vorsorgemaßnahmen zu treffen.

 

Was tun, wenn Knochen brüchig werden?

Definition

Obwohl das Skelett nur etwa 12 Prozent des gesamten Körpergewichts ausmacht, haben Knochen zahlreiche Aufgaben zu erfüllen: Sie tragen und stützen den Körper, sind unverzichtbarer Bestandteil des Bewegungsapparates, speichern Energie und Mineralstoffe. Außerdem bilden sich im Knochenmark die Blutzellen.

Im Laufe des Lebens verändern sie sowohl Form als auch Struktur. Sie wachsen, passen sich Veränderungen an - oder verkrümmen, wenn sie zu wenig bewegt und beansprucht oder zu viel belastet werden. Mit dem dreißigsten Lebensjahr ist der höchste Knochendichtewert erreicht. Für das Gleichgewicht im Knochenstoffwechsel sorgen die Hormone von Nebenschilddrüse und Schilddrüse, das Geschlechtshormon Testosteron sowie Vitamin D und Kalzium.

Bei Osteoporose können alters- und krankheitsgemäße Veränderungen im Stoffwechselhaushalt zu einer kontinuierlichen Verringerung von Masse und Dichte der Knochen führen. Dabei bleibt die äußere Knochenform zunächst vorhanden, allerdings nimmt die mechanische Belastbarkeit der Knochen stetig ab und die Neigung zu Knochenbrüchen zu. In diesen Fällen können beispielsweise Wirbelkörper schon bei alltäglichen Belastungen brechen, etwa bei einer leichten Drehung während der Gartenarbeit, beim Heben einer leeren Getränkekiste etc.. Bei den mehr als 200 Knochen des menschlichen Skeletts sind vorrangig Unterarm, Wirbel und Oberschenkel von osteoporotischen Brüchen betroffen.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zählt die Osteoporose zu den zehn häufigsten Volkskrankheiten. Wissenschaftliche Studien weisen auf eine Vielzahl sowohl genetischer als auch erworbener Risikofaktoren hin, die zu Knochenschwund auch bei Männern führen können.

  • Alter: Bei Männern steigt das Knochenbruchrisiko besonders deutlich nach dem 75. Lebensjahr und beträgt dann mehr als 30 Prozent. 
  • Hormonmangel: Akuter Testosteron-Mangel kann innerhalb kürzester Zeit die Knochendichte verringern. Besonders bei Prostata-Patienten steigt durch die Folgebehandlung zwar die Lebenserwartung deutlich an, gleichzeitig erhöht sich durch den Mangel des Sexualhormons das Osteoporose-Risiko. 
  • Medikamente: Kortisonpräparate gelten allgemein als „Knochenräuber", wenn sie hochdosiert und über mehrere Monate verabreicht werden. In diesen Fällen besteht die absolute Indikation für eine frühe Behandlung mit einem wirkungsvollen Osteoporose-Medikament. 
  • Andere Erkrankungen: Erkrankungen der Nieren, der Schilddrüse und der Nebenschilddrüse, die wesentlichen Anteil an der Regulierung des Kalziumstoffwechsels haben, fördern die Osteoporose, da sie mit einem erhöhten Kalziumabbau aus den Knochen einhergehen.
  • Bewegungsmangel: Längst ist bekannt, dass eine regelmäßige Belastung des Knochens durch Muskelarbeit den Knochenaufbau deutlich fördert. Vor allem eine trainierte, gut ausgebildete Rückenmuskulatur ist entscheidend für eine hohe Knochenmasse der Wirbelkörper und Oberschenkelknochen.
  • Übermäßige sportliche Aktivitäten: Besonders Hochleistungssportler in Ausdauersportarten wie Langlauf haben ein erhöhtes Risiko. Dauertraining, Diäten und Gewichtskontrolle führen zu einem geringen Körperfettanteil und wirken sich hormonell aus.      
  • Nikotinkonsum: Nachweislich verdoppelt die Sucht nach dem Glimmstängel das Osteoporose-Risiko, was auf die vielen chemischen Substanzen im Tabak zurückzuführen ist.
  • Alkoholkonsum: Zu viel Alkohol trägt zu einem erhöhten Risiko bei. Ursächlich hängt dies mit Mangelernährung und häufigem Leberschaden von Alkoholikern zusammen.    
  • Fehlernährung: Der menschliche Körper benötigt immer ausreichend Kalzium, Vitamin D und andere Mineralien und Vitamine. Bei einer ungenügenden Kalziumzufuhr durch die Nahrung holt sich der Organismus das lebenswichtige Mineral aus den Knochenspeichern. Über die Jahre hinweg kommt es so zu einer Knochen-Negativbilanz.

Vorbeugen und Früherkennung

Skelett

Kalzium ist das wichtigste Mineral, um Osteoporose zu vermeiden bzw. zu behandeln. Der ausgewachsene Körper beinhaltet mehr als ein Kilogramm Kalzium, wovon sich 99 Prozent im Skelett und in den Zähnen befinden. Um den Kalziumbedarf zu decken, müssen Erwachsene zwischen 1.200 und 1.500 mg täglich aufnehmen. Wertvolle Kalziumlieferanten sind Milch und Milchprodukte, frisches Gemüse, Obst und Getreideprodukte sowie kalziumhaltiges Mineralwasser.

Um den notwendigen Tagesbedarf an Vitamin D zu decken, gehören Lebensmittel wie Fisch, Eier und Pilze auf den Tisch. Überdies wirkt auch ein tägliches dreißigminütiges Sonnenbad mit unbedecktem Kopf und Händen wahre Wunder.

Ein großer Bogen ist um alle phosphathaltigen Nahrungsmittel wie Limonaden (Coca-Cola), Wurst, Schweinefleisch und Schmelzkäse zu machen, da sie die Kalziumaufnahme hemmen. Und bekanntermaßen sollte jeder seinen Kaffee-, Alkohol- und Tabakkonsum auf ein Minimum reduzieren.

Um die notwendigen Mineralien im Knochengerüst „einlagern" zu können und nicht ungenützt über die Nieren auszuscheiden, bedarf es der regelmäßigen Bewegung. Immerhin sind Knochen und Muskeln nach Form und Funktion ein voneinander abhängiges System. „Wer rastet, der rostet", sagt der Volksmund nicht zu Unrecht. Couch-Potatoes verlieren pro Lebensjahrzehnt erschreckende 5 bis 10 Prozent Muskelmasse, was gleichzeitig einen Verlust an Knochenmasse bedeutet. Im Umkehrschluss heißt das: Wer sich körperlich fit hält, stärkt Knochen, Muskeln und Gelenke. Als geeignete Sportarten für den Knochenaufbau gelten Nordic Walking, Walken, Tanzen, Skilanglauf und Golf.

Symptome und Beschwerden

Anfangs spürt man die Osteoporose meist nicht, weil der für die Krankheit typische Verlust an Knochensubstanz noch keine Schmerzen verursacht. Daher auch der Ausdruck „schleichende" Erkrankung. In dieser Phase ist die Diagnose der Erkrankung schwierig. Erste spürbare Symptome der Erkrankung können gelegentliche Rücken- und/oder Knochenschmerzen sein.

Die Folgen eines übermäßigen, krankhaften Knochenmasseverlustes können Knochenbrüche (Frakturen), Fehlstatik und Körpergrößenabnahme sein. Für die Patienten bedeuten sie nicht selten starke Schmerzen, bei Wirbel- und Schenkelhalsbrüchen auch Invalidität und eine verkürzte Lebenserwartung. 

  • Knochenbrüche: Gefürchtet ist die Osteoporose insbesondere wegen der drohenden Knochenbrüche, die dann auftreten, wenn der Knochenschwund über ein gewisses Maß hinausgeht und der Knochen den täglichen Belastungen nicht mehr standhält. Diese Frakturen sind sehr schmerzhaft und der Heilungsverlauf langwierig. 
  • Verformungen und Fehlstatik: Verformungen der Wirbelsäule führen zuerst zu akuten Schmerzen im Bereich der Brust- und Lendenwirbelsäule, später dann zu chronischen Schmerzen. Infolge von Wirbeleinbrüchen verformt sich die Wirbelsäule merklich. Es kommt zu einer Rundrückenbildung („Witwenbuckel") und Vorwölbung der Bauchdecke.
  • Körpergrößenabnahme: Der Größenverlust durch die Rundrückenbildung kann mehrere Zentimeter betragen. Dabei kann ein Verschmelzen der mürbe gewordenen Wirbelkörper auch schleichend und fast schmerzlos erfolgen. Eine Verringerung der Körpergröße im Alter um mehr als drei bis vier Zentimeter kann daher ein Hinweis auf das Vorliegen einer Osteoporose sein.

Erwähnenswert ist, dass Knochenbrüche bei an Osteoporose erkrankten Männern weitaus seltener vorkommen als bei Frauen. Die Gründe dafür sind, dass Männer eine höhere Knochenmasse (Peak Bone Mass) haben und die Querschnittfläche der Wirbel und Röhrenknochen insgesamt größer und damit bruchfester ist. Überdies ist der krankheitsbedingte Verlust an Knochenmasse weitaus geringer als bei Frauen.

Untersuchung

Neben der Erkennung und Verhütung von Risikofaktoren ist eine frühe Diagnose entscheidend für eine erfolgreiche Osteoporose-Therapie. Die Basisdiagnostik umfasst Anamnese (Leidensgeschichte aus persönlicher Erfahrung) und eine körperliche Untersuchung, bei der die Körpergröße und das Gewicht zur Beurteilung des Body-Mass-Index bestimmt werden. Beurteilt werden auch Wirbelsäulenverformungen (Rundrücken), lokale Schmerzen einzelner Wirbelkörper sowie Muskelkraft und Gleichgewichtssinn. Außerdem wird eine Knochendichtemessung (Osteodensitometrie) durchgeführt. Die Knochendichtewerte liegen sofort nach der Messung vor und werden in Gramm pro Quadratzentimeter ausgedrückt.

Therapie und Nebenwirkungen

Glas Milch

Die Ernährung hat einen weitreichenden Einfluss auf die Osteoporose. Deshalb ist die bewusste Zusammenstellung des Speiseplans sehr wichtig. Wie schon in der Prävention empfohlen, sollte die Ernährungsumstellung in Richtung kalziumreiche und phosphatarme Kost gehen. Kalziumreiche Nahrungsmittel sind Milch, Milchprodukte und Käse, die Gemüsesorten Brokkoli und Grünkohl sowie Hülsenfrüchte und Vollkorngetreide. Vitamin D stellt der Körper durch die Einwirkung von Sonnenlicht zum größten Teil selbst her.

Grundsätzlich geht es um den Ausgleich der Kalziumbilanz des Körpers. Häufig reicht bei schwerer Osteoporose eine Ernährungsumstellung allein nicht aus. Dann werden über Medikamente die notwendigen Mengen an Kalzium und Vitamin D zugeführt.

Männliche Patienten erhalten vornehmlich Bisphosphonate, durch welche die Knochendichte und die Knochenfestigkeit erhöht und das Risiko osteoporotischer Brüche reduziert wird.
Schmerzlindernd wirken auch physikalische Maßnahmen wie Massagen, Kälte- und Wärmebehandlungen sowie Elektro- und Hydrotherapie. Zur Stärkung der Rücken- und Bauchmuskulatur werden heilgymnastische Übungen empfohlen.

Kamen bereits Brüche an der Wirbelsäule vor, können halbelastische Mieder hilfreich sein. Sie stützen die Wirbelsäule und helfen, auftretende Schmerzen zu lindern.

Regelmäßige körperliche Aktivitäten unterstützen die Therapie. Besonders zu empfehlende Ausdauersportarten sind Schwimmen, Gymnastik, Nordic Walking, Langlaufen, Wandern und Radfahren. Empfohlen wird auch gezieltes Krafttraining, da die Knochen hierbei großen Druck- und Zugbelastungen ausgesetzt werden. Um ausreichend Vitamin D zu tanken, eignen sich Spaziergängen und Wanderungen an der frischen Luft.

Quellenverzeichnis

Ausgewählte Literatur

Bartl, R. (2007): Osteoporose. Rechtzeitig vorbeugen, erkennen und behandeln: Mit Bewegung und Ernährung die Knochen stärken. München  

Bundesselbsthilfe für Osteoporose (2003): Osteoporose beim Mann. Information für Betroffene und Interessierte. Lindau

Dorner, Th.; Weichselbaum, E.; Lawrence, K.; Stein, V.; Rieder, A. (2007): Österreichischer Osteoporosebericht. Wien 

Techniker Krankenkasse (2004): Osteoporose. Eine Information für Patienten und Angehörige. Hamburg

Ausgewählte Links 

Kuratorium Knochengesundheit e. V.: Osteoporose. Online unter www.osteoporose.org  

Medizinische Abteilung des Krankenhauses der Barmherzigen Schwestern Wien: Osteoporose. Online unter www.osteoporose.co.at 

Österreichische Gesellschaft für Gesundheit: Aktion Gesunde Knochen. Online unter: www.aktiongesundeknochen.at 

Weiterführende Literatur

Lattermann, P. M.; Hertel, M. (2007): Osteoporose. Schutz und Stärke für ihre Knochen. Freiburg

Müller, S.-D.; Weissenberger, Ch. (2008): Ernährungsratgeber Osteoporose. Hannover

Preuss, P.; Preuss, M.; Pohl von Hehl, H. (2008): Silver Generation: Krafttraining für Senioren. Königswinter 

Usinger, D. (2007): Osteoporose - Knochenschwund. Idstein


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