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„Angst essen Seele auf“

Ein dunkler Weg, der Zahnarzt, die Prüfung oder die Unsicherheit am Arbeitsplatz – jeder hat vor etwas anderem Angst. Die meisten Menschen schaffen es, ihre Angst unter Kontrolle zu bringen. Doch was ist, wenn die Angst die Oberhand gewinnt?

 

 

Definition

Angst ist ein ganz natürliches Gefühl, das jeder kennt. Bedrohliche Situationen oder Sorgen um den Arbeitsplatz, bevorstehende Trennungen oder schwere Krankheiten machen Angst. Die Angst stellt eine Art Schutzmechanismus dar, der in Gefahrensituationen die sogenannten Kampf- und Fluchtreaktionen auslöst. Diese ermöglichen den Menschen, schnell zu reagieren und damit ihr Überleben zu sichern.

Eine Angststörung liegt vor, wenn Menschen in ungefährlichen Situationen übertriebene Angstgefühle erleben. Dazu zählen die Höhen- und die Flugangst, die Angst vor Spinnen und Schlangen, die Platzangst und die Klaustrophobie. Obwohl die Betroffenen selbst sehen, dass ihre Ängste unbegründet sind, sind sie kaum in der Lage, ihre Ängste zu kontrollieren. Deswegen versuchen sie, Situationen zu vermeiden, in denen sie mit Angst reagieren. Die „Angst vor der Angst" schränkt langfristig den Lebensalltag stark ein.

Es gibt auch Ängste, die ohne bestimmten äußeren Auslöser auftreten. Darunter fallen z. B. Panikattacken. Ein plötzlich auftretender Panikanfall löst beim Betroffenen ein Gefühl der Beklemmung bis hin zu Todesängsten aus, was mit Herzrasen, Schmerzen und Erstickungsgefühlen einhergehen kann. Eine Angststörung liegt auch vor, wenn sich Menschen in übertriebener Form ständig Sorgen machen. Typisch sind zum Beispiel die Sorge, dass Angehörigen etwas Schlimmes zustoßen könnte, übertriebene Geldsorgen oder die Sorge, im Beruf nicht leistungsfähig zu sein.

Meist beginnen Angststörungen zwischen dem 25. und 35. Lebensjahr. Allerdings gibt es auch soziale Phobien, die sich schon in der Kindheit herausbilden. Erfahrungsgemäß nehmen Angststörungen stetig zu, schwanken manchmal in ihrer Intensität, wobei sich am Krankheitsbild insgesamt wenig ändert. Selten verschwinden Angststörungen für einige Jahre ganz von allein, um dann aber wiederzukehren. Die Schwere und Ausprägung von Angststörungen unterliegt großen Schwankungen. Manche Menschen erleiden einmal oder mehrmals pro Woche eine Panikattacke, das allerdings über einen langen Zeitraum. Andere leiden über Monate jeden Tag unter ihren Ängsten, um dann wieder für längere Zeit davon verschont zu bleiben.

Angststörungen stellen bei Frauen die häufigste, bei Männern die zweithäufigste Form psychischer Erkrankungen gleich nach den Suchterkrankungen dar.

Ursachen und Risikofaktoren

Angststörungen lassen sich auf verschiedene Ursachen zurückführen. Von entscheidender Bedeutung sind angeborene (genetische), neurobiologische und psychische Faktoren:

  • Für eine angeborene Veranlagung spricht eine Häufung von Angststörungen in bestimmten Familien, die über Generationen „vererbt" werden.
  • Anhand modernster Untersuchungsmethoden ist nachgewiesen worden, dass bei betroffenen Patienten das limbische System des Gehirns, das für die Verarbeitung von Emotionen verantwortlich ist, hyperaktiv ist. Außerdem ist vermutlich das Botenstoff-Gleichgewicht im Gehirn gestört.
  • Zu den psychischen Faktoren, die zur Entstehung von Angst beitragen, gehören beispielsweise Ereignisse wie Trennungen, Missbrauch, zwischenmenschliche Konflikte, erlerntes Verhalten oder negative Denkmuster - aber auch bestimmte Reaktionsmuster auf Stress.

Für panikmachende Ängste braucht es neben den aufgelisteten Anfälligkeiten weitere Ursachen, damit sich eine Krankheit entwickelt. Oftmals sind es belastende Erlebnisse, z. B. ein Unfall, der Verlust des Partners, die Kündigung oder eine andere große Veränderung im Leben, die als Überforderung erlebt wird. Oder es sind Ereignisse im sozialen Umfeld, die beim Betroffenen große Ängste und Sorgen auslösen. Oft ist es auch die Vielzahl an täglichen Belastungen, die über einen langen Zeitraum zu ertragen ist und allmählich an die Substanz geht.

Unter diesen Stressbelastungen kann es zu plötzlichen körperlichen Reaktionen wie z. B. starkem Herzklopfen, Schwitzen, Schwindel oder Atemnot kommen, was situativ Angst oder Panik hervorruft. Wiederholt sich die körperliche Reaktion öfter, kann sich eine durch Stress ausgelöste Angstreaktion zu einer Angststörung oder Panikstörung ausweiten.

Prävention und Früherkennung

Angst Kopf

Patienten mit Angststörungen leiden in erster Linie an den körperlichen Beschwerden wie Schwindel, Herzrasen, Erstickungsängste, Schlafstörungen etc., was zu Konsultation von Hausärztin/Hausarzt, teilweise sogar zum Besuch in der Notfallambulanz führt.

Persönliche Risikofaktoren können durch eine allgemeine Verbesserung des körperlichen Zustandes und durch eine Verbesserung der Stressbewältigung reduziert werden. Hilfreich sind hierbei Körpertherapie, Sport oder Entspannungstraining, manchmal auch Veränderungen im Umfeld des Patienten.

Menschen, die sich in einem frühen Stadium der Angststörung befinden, sollten sich nach professioneller Hilfe umschauen. Zu einer behandlungsbedürftigen Erkrankung wird Angst, wenn

  • sie zu häufig, zu lange anhaltend, zu intensiv auftritt,
  • man das Gefühl hat, die Kontrolle zu verlieren,
  • man Angstsituationen häufig vermeidet oder aus ihnen fliehen muss,
  • man einen starken Leidensdruck und eine deutliche Beeinträchtigung seiner Lebensqualität verspürt.

Studien sprechen eindeutig dafür, dass eine frühzeitige Behandlung den Heilungsverlauf verbessert. Das heißt, je weniger Zeit vom Beginn der Erkrankung bis zur Behandlung vergeht, desto besser sind insgesamt die Heilungschancen.

Symptome und Beschwerden

Die verschiedenen Angsterkrankungen gehen mit unterschiedlichen Symptomen und Beschwerden einher.

  • Phobie: In diese Gruppe fallen die Klaustrophobie („Angst in bzw. vor geschlossenen Räumen"), die Agoraphobie („Platzangst": Angst vor großen Plätzen), soziale Phobien (z. B. vor Menschenmassen), Tierphobien (z. B. vor Schlangen, Spinnen), Höhenangst (Akrophobie) usw. Die phobische Angst reicht vom leichten Unbehagen bis hin zur panischen Angst. Körperliche Symptome sind Herzklopfen, Schwächegefühle, Atemnot, Schwitzen etc. In den meisten Fällen wissen die Betroffenen selbst, dass sie übertrieben reagieren, und schämen sich dafür.
  • Panikstörung: Hier treten Panikattacken situationsungebunden plötzlich und unerwartet auf. Innerhalb weniger Minuten kommt die Angst, die begleitet ist von Beklemmungen, Erstickungsgefühlen, Schwindel, Herzrasen, Übelkeit bis hin zur Todesangst. Panikattacken dauern durchschnittlich zehn Minuten, können sich allerdings im Extremfall mehrere Stunden hinziehen. Die meisten Patienten entwickeln die Symptome zwischen dem zwanzigsten und dreißigsten Lebensjahr.  
  • Generalisierte Angststörung: Diese Angststörung entwickelt sich im Vergleich zur Panikattacke langsam. Über Wochen und Monate breiten sich diffuse Ängste aus. Ein wichtiges Merkmal ist das Gefühl einer nahenden Katastrophe, was die eigene Gesundheit oder die der Angehörigen betrifft, finanzielle Ängste, Angst um die eigene Leistungsfähigkeit in verschiedenen Bereichen. Ruhelosigkeit, Zittern, Atemnot, Herzrasen, Erstickungsgefühle, Schwitzen, Mundtrockenheit und Schlafstörungen stellen sich ein. Diese Angststörung kann in jedem Alter auftreten, allerdings erkranken die meisten Menschen erst ab dem vierzig Lebensjahr daran.

Vielfach führen die Betroffenen ihre Ängste auf ihr eigenes Versagen oder auf charakterliche Schwächen zurück. Allmählich sinkt das Selbstvertrauen, die sozialen Kontakte werden eingeschränkt, die Stimmung ist bedrückt, und die Situation erscheint immer auswegloser. So wundert es nicht, dass mehr als die Hälfte von Patienten mit Angststörungen auch über Depressionen klagen, sich noch mehr zurückziehen und zunehmend verzweifelt werden. Nicht selten versuchen Betroffene ihre Ängste mit Alkohol zu bekämpfen, Suchterkrankungen sind deshalb als Folge von Angststörungen häufige Begleiterscheinungen.

Viele Menschen schämen sich wegen ihrer Ängste oder wissen die Symptome nicht einzuordnen. Im Bemühen, die psychische Erkrankung zu verheimlichen, wird lange Zeit kein Arzt konsultiert. Im Durchschnitt dauert es sieben bis zehn Jahre bis zur entsprechenden Diagnose, wodurch sich die Krankheit verfestigt („chronifiziert).

Therapieangebote

Tür  zur Psychotherapie

Allgemein kann festgestellt werden: Je früher die Behandlung einer Angststörung beginnt, umso günstiger ist die Prognose. In den letzten Jahren sind bei der Behandlung psychischer Erkrankungen deutliche Fortschritte gemacht worden. Welche Therapie zum Einsatz kommt, hängt mit der Art und Schwere der Angststörung zusammen.

Im Vorfeld steht immer das therapeutische Gespräch. Dabei wird dem Patienten vermittelt, dass er nicht an einer körperlichen Krankheit leidet, sondern dass die Symptome durch seiner Angststörung entstehen. Wichtig ist, dass der Patient seine Beschwerden als Ausdruck von Angst erkennt und sich aktiv seiner Angst stellt. Voraussetzung ist die Motivation des Patienten.

Bewährt hat sich in der Therapie von Angststörungen eine Kombination von medikamentösen und psychotherapeutischen Verfahren.

Medikamentöse Ansätze: Zur Behandlung werden meist Antidepressiva eingesetzt, die abhängig vom jeweiligen Wirkstoff das Gehirn beeinflussen. Weiters stehen bestimmte Beruhigungsmittel (Benzodiazepine) zur Verfügung, die allerdings - bedingt durch das hohe Abhängigkeitspotenzial - nur unter strenger ärztlicher Kontrolle und nur im Ausnahmeverfall verabreicht werden.

Verhaltenstherapeutische und psychologische Ansätze: Bei der Verhaltenstherapie lernt der Betroffene seine Ängste zu analysieren, um die Mechanismen besser verstehen zu können. Ziel ist es, dass sich der Patient mit therapeutischer Begleitung wiederholt in angstbesetzte Situation begibt. Wichtig ist es, sich der eigenen Angst zu stellen, diese auszuhalten und schrittweise zu überwinden.

Entspannungstechniken: Neben den verhaltenstherapeutischen Verfahren werden oft Entspannungstechniken eingesetzt. Dabei hat sich besonders die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson bewährt. Der Patient hat dabei die Möglichkeit, sich selbst in einen Entspannungszustand zu bringen, der das Gegenteil von dem angespannten Angstzustand ist. Eine weitere Methode ist das autogene Training, das jedoch nicht in allen Fällen geeignet ist.

Die Entscheidung für eine medikamentöse Therapie, eine Psychotherapie oder eine Kombinationsbehandlung muss im Einzelfall mit dem Patienten abgestimmt werden. Forschungsergebnisse zeigen, dass sowohl die Psychotherapie als auch die Kombinationsbehandlung (Psychotherapie + medizinische Therapie) nachhaltigere Effekte aufweist als eine rein medikamentöse Behandlung.

Weitere Information dazu finden Sie unter dem Gesundheitsportal Österreich.

Quellenverzeichnis

Ausgewählte Literatur

Bardehle, D.; Stiehler M. (2010): Erster Deutscher Männergesundheitsbericht Ein Pilotbericht. München

Manthey, J. (2010): Angststörungen. Leben mit Ängsten in der Gesellschaft. Berlin
Messer, T. (2010): Polypharmazie in der Behandlung psychischer Erkrankungen. Wien, New York

Morschitzky, H. (2009): Angststörungen. Diagnostik, Konzepte, Therapie. 4. Aufl., Wien, New York

Schmidt-Traub, S.; Lex, T. P. (2005): Angst und Depressionen. Kognitive Verhaltenstherapie bei Angststörungen und unipolarer Depression. Göttingen 

Weiterführende Literatur

Schmidt-Traub, S. (2008): Generalisierte Angststörungen. Ein Ratgeber für übermäßig besorgte und ängstliche Menschen. Göttinge


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