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Schmerz, lass nach!

Studien zufolge leiden zwischen 1,4 und 1,5 Millionen Menschen in Österreich an chronischen Rücken-, Kopf- oder Tumorschmerzen. Nicht selten haben sie jahrelange Arztbesuche und Klinikaufenthalte hinter sich, bevor ihre Schmerzen als chronisches Leid wahrgenommen werden.

Akuter Schmerz als Warnsignal

Schmerzen kennt jeder aus eigener leidvoller Erfahrung. Plötzlich und aus heiterem Himmel schmerzt ein Zahn, drückt der Ischiasnerv, sorgt ein Wetterumschwung für Kopfschmerzen, tut beim Radeln das Knie weh. Stets ist der Schmerz eine unangenehme Erfahrung. Und doch lebensnotwendig, weil er vor Krankheiten, Unfallfolgen, Abnutzungserscheinungen, drohenden Gesundheitsgefahren warnt. Er weist den Betroffenen - und den Arzt - auf das Organ hin, das beschädigt ist oder beschädigt zu werden droht.
Der Akutschmerz

  • hat eine Signal- und Warnfunktion und somit eine biologische Bedeutung,
  • ist Zeichen einer Krankheit oder Funktionsstörung,
  • hat fast immer eine gut fassbare Ursache.

Der Akutschmerz ändert seinen Ort nicht, er weitet sich nicht auf andere Körperregionen oder Organe aus. Der Patient nimmt den akuten Schmerz gewöhnlich hin, wenn ihm eine klare, zu behandelnde Ursache zugrunde liegt. Sobald diese Ursache beseitigt ist, verschwindet der Schmerz so rasch, wie er gekommen ist.

Chronischer Schmerz entsteht im Kopf

Kopfschmerzen

Wird die Ursache des akuten Schmerzes nicht oder nur unzureichend behoben, kann der Schmerz chronisch werden. Der Dauerschmerz hat keine Signalfunktion und peinigt Körper und Seele ständig. Er wird zum Begleiter für Monate, für Jahre. Alle Lebensbereiche werden beeinträchtigt: Stimmung, Schlaf, Freizeitaktivitäten und Arbeitsfähigkeit.

Oft gibt es keinen konkreten Auslöser mehr wie beim Rückenschmerz nach einem Hexenschuss: Längst ist die akute Nervenreizung der Bandscheibe überstanden, und doch bleibt der Schmerz. Was dahinter steckt? Expertinnen und Experten bestätigen, dass starke Schmerzen lange im Gedächtnis bleiben und Spuren in den Nervenbahnen, im Gehirn und im Rückenmark hinterlassen. Je länger der Schmerz dauert, umso größer ist die Gefahr, in einen schmerzhaften Teufelskreis zu rutschen. Die Nervenzellen werden empfindlicher, auf ständig wiederkehrende Reize reagieren sie schneller und sensibler. Irgendwann reicht schon die Angst vor dem Schmerz, um ihn auszulösen. Wenn der Schmerz länger als drei bis sechs Monate besteht oder wiederkehrt, handelt es sich vermutlich um einen chronischen Schmerz.
Der chronische Schmerz

  • ist eine eigenständige Erkrankung,
  • ist abgekoppelt von der eigentlichen Ursache des Schmerzes,
  • hat gleichzeitig körperliche, psychische und soziale Komponenten,
  • führt zu einer erheblichen Beeinträchtigung in Erleben und Verhalten,
  • kann meistens nur gemeinsam mit Vertretern verschiedener Fachdisziplinen behandelt werden (auch unter Einbeziehung von Psychiatrie und Psychologie).

Viele Leidende kurieren über Wochen und Monate selbst an sich herum, indem sie anlassbezogen Schmerzmittel zu sich nehmen. Gegen das fortschreitende Chronisch werden hilft das freilich nicht. Aber: Kein Mensch muss Schmerzen hinnehmen oder erdulden.

Schrittweise gegen den Schmerz

Eines der wichtigsten Ziele der modernen Schmerztherapie ist es, die sogenannte Chronifizierung der Schmerzen zu unterbrechen, also zu verhindern, dass sie dauerhaft werden. Dabei muss die Behandlung immer sehr genau abgestimmt werden auf Ursachen, Art und Stärke der Schmerzen sowie auf die Bedürfnisse eines Patienten.

Wie stark ist der Schmerz? Diese Frage ist für einen Außenstehenden nicht zu beantworten, da die Schmerzempfindung immer subjektiv ist. Aber es ist dennoch möglich, die Schmerzstärke zu messen. Dabei helfen Schmerzskalen. So kann der Patient seine Schmerzempfindung etwa auf einer Skala von 0 (kein Schmerz) bis 10 (maximal vorstellbarer Schmerz) einordnen. Auch kann er die Beeinträchtigung genauer beschreiben: Ist der Schmerz in seinem Ausmaß irritierend, beunruhigend, quälend oder unerträglich?
Hilfreich kann auch ein Schmerztagebuch sein, in dem der Patient protokolliert, wann Schmerzen auftreten, welche Qualität sie haben (pochend, dumpf, spitz, stechend, bohrend etc.) und an welchen Stellen des Körpers sie auftreten. Die Schmerzen zu messen und zu dokumentieren kann aus vielen Gründen hilfreich sein. Die subjektive Kategorie Schmerz wird so fassbarer für den behandelnden Arzt und für den Patienten, Missverständnissen kann vorgebeugt werden, Arzt und Patient reden nicht aneinander vorbei. Zudem wird es einfacher, sich über das Ziel einer Schmerzbehandlung zu verständigen. Außerdem lassen sich Erfolge und Defizite einer Behandlung schneller klären.

So vielfältig die unterschiedlichen Schmerzkrankheiten sein können, so vielfältig ist auch die Auswahl an Therapiemöglichkeiten. In den meisten Fällen ist es sinnvoll, medikamentöse und andere Formen der Therapie miteinander zu kombinieren, um das Leiden, das eine chronische Schmerzerkrankung mit sich bringt, gezielt angehen zu können. Unter Berücksichtigung der gesamten physischen Situation des Patienten müssen bei der Therapie von chronischen Schmerzen auch die Psyche und die begleitenden Symptome (Schlaflosigkeit, Antriebslosigkeit, erhöhte Reizbarkeit) behandelt werden. Deshalb ist die moderne Schmerztherapie eine interdisziplinäre Angelegenheit. Sie ist gemeinsame Aufgabe für Therapeuten unterschiedlicher Richtungen - und für die Patienten selbst.

Quellenverzeichnis

Ausgewählte Literatur

Butler, D.; Moseley G. L. (2005): Schmerzen verstehen. Heidelberg 

Flöter, Th.; Zimmermann M. (2003): Der multimorbide Schmerzpatient. Stuttgart

Koch, M.; Vogel H. R. (2008): Weißbuch Schmerz. Eine Bestandsaufnahme der Versorgungssituation von Patienten mit chronischem Schmerz in Deutschland. Stuttgart

Kröner-Herwig, B.; Frettlöh, J.; Klinger, R.; Nilges P. (2011): Schmerzpsychotherapie. Heidelberg

Wachter von, M. (2012): Chronische Schmerzen. Berlin, Heidelberg

Ausgewählte Internetseiten

Die Österreichische Schmerzgesellschaft informiert über Schmerz, regionale Schmerzeinrichtungen etc. unter http://www.oesg.at/  

Life Line Rückenschmerzen unter www.special-rueckenschmerz.de/chronische-schmerzen/definition/unterschied-akuter-chronischer-rueckenschmerz-id69851.html 


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