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Sexualität: Störfälle im Bett

Liebe, Lust und Leidenschaft gehören oft zusammen. Sexualität ist ein wichtiger Grundpfeiler unseres körperlichen und psychischen Wohlbefindens. Sie kann uns glücklich machen, aber auch extrem belasten, wenn sie nicht so „funktioniert", wie wir es uns wünschen. Allein in Österreich leiden etwa 20 Prozent der Männer über vierzig an Erektionsstörungen.

Erektionsstörungen weit verbreitet

Die Erektionsfähigkeit ist für die meisten Männer von zentraler Bedeutung im Zusammenhang mit ihrer Identität als Mann. Wiederholte Misserfolge im sexuellen Bereich können das Selbstwertgefühl drastisch senken und sich auf andere Bereiche wie die berufliche Leistungsfähigkeit auswirken. Außerdem fehlt eine substanzielle Möglichkeit, um Nähe und Zuneigung der Partnerin gegenüber auszudrücken.

Je sensibler ein biologisches System, desto größer ist auch seine Störanfälligkeit - und männliche Sexualität ist weitaus komplexer, als vermutet. Wie funktioniert z. B. der Erektionsmechanismus, damit der Penis steif wird und auch bleibt?

Durch verschiedene Arten von Reizen (Bilder, Gedanken etc.) können Hormone freigesetzt werden, die das Gefühl von Lust auslösen. Nerven empfangen und senden dann Signale, Muskelzellen im Penis entspannen, Arterien weiten sich. Wenn ein „Rädchen im Getriebe" schwächelt, wird aus Lust schnell Frust.

Verlustängste, das Gefühl, den eigenen Orgasmus nicht richtig zu erleben oder die Partnerin nicht richtig befriedigen zu können, führen oft zu einer erheblichen psychischen Belastung. Aus Angst vor dem erneuten Versagen wird das Vorspiel häufig verkürzt, was mangels ausreichender Stimulation mit Orgasmusstörungen oder mit Schmerzen einhergehen kann. Störfälle im Bett führen auf die Dauer zu massiven Partnerschaftsproblemen. 

Wer Männlichkeit nur mit Potenz und Erektionsfähigkeit gleichsetzt, gerät schnell unter Leistungsdruck. Die zunehmend verzerrte Darstellung von Erotik und Sexualität in den Medien (vor allem im Internet), prägt das gesellschaftliche Bild von Lust und Liebe. Kein Wunder, wenn dabei Erotik, Zärtlichkeit und Hingabe mitunter auf der Strecke bleiben. Immer öfter scheint Leistungsdenken das Geschehen im Schlafzimmer zu bestimmen. Und welcher Mann gibt schon gern zu, dass nicht immer alles reibungslos im Bett funktioniert. Schnell macht sich deshalb die Angst breit, als „Schlappschwanz" abgestempelt zu werden.

Die nachlassende „Manneskraft" mit zunehmendem Alter, auch als Erektionsstörung oder Potenzstörung bezeichnet, bringt vielfach Selbstbild und Selbstwertgefühl ins Wanken. Oftmals erhöht eine erlittene Erektionsstörung beim nächsten Sex den Leistungsdruck. Wenn Paare darüber schweigen, beginnt ein Teufelskreis.

Gesellschaftlich tabuisiert ist auch das Thema Unfruchtbarkeit. Wer sich potent fühlt und im Bett „seinen Mann steht", wiegt sich meist im festen Glauben, fruchtbar zu sein. Doch sexuelle Potenz ist nicht mit reproduktiver Potenz gleichzusetzen. Ausgelebte Lust und Leidenschaft verraten nichts über mögliche männliche Fruchtbarkeitseinschränkungen oder Zeugungsunfähigkeit.

Auf in die Männersprechstunde

Penisdarstellung

Den meisten Männern fällt es schwer, sich wegen sexueller Störungen untersuchen oder ihre Fortpflanzungsfähigkeit überprüfen zu lassen. Das hängt mitunter damit zusammen, dass sich Männer (im Gegensatz zu Frauen, die regelmäßig zum Gynäkologen gehen) auch routinemäßig kaum untersuchen lassen. Deshalb erfordert der Gang zum Facharzt Mut.

Was der Gynäkologe für die Frau, ist der Androloge für den Mann. Die Andrologie (Männerheilkunde) als relativ junges medizinisches Spezialgebiet wird mehrheitlich von den Fachärzten für Urologie ausgeübt. Schwerpunkte der Arbeiten sind:

Wer sich entscheidet, in die Männersprechstunde zu gehen, sollte sich auf das Gespräch vorbereiten. Dazu gehört neben der Wahl des Facharztes auch eine erste Information über Ursachen von und therapeutische Möglichkeiten bei sexuellen Störungen. Diese informative Ausgangsbasis kann Sicherheit vermitteln. Allein oder gemeinsam mit der Partnerin / dem Partner oder einer vertrauten Person können wichtige Fragen notiert werden, die man beim Arztgespräch stellen will. Überdies sollte man eine aktuelle Liste aller einzunehmenden Medikamente mitnehmen.

Beim Erstgespräch werden zahlreiche Fragen gestellt, die den Lebensstil und intime Details des Sexuallebens betreffen. Nur ehrliche und offene Antworten helfen Ursachen und Lösungen zu finden. Verschweigen und Beschönigen bringt nicht viel. Das offene und vertrauensvolle Gespräch ermöglicht

  • dem Arzt, rasch zu einer richtigen Diagnose zu kommen und gemeinsam mit dem Mann die beste Behandlung festzulegen,
  • dem Patienten zu verstehen, welche Ursachen vorliegen, welche Untersuchungen notwendig sind und welche Behandlung erfolgversprechend ist. Dies erleichtert dem Patienten, die vorgeschlagene Therapie einzuhalten, selbst wenn sie eventuell langwierig oder belastend ist,
  • den Aufbau eines tragfähigen Vertrauensverhältnisses zwischen Patient und Arzt.
    Nach dem intensiven Gespräch und diagnostischer Abklärung findet sich für nahezu jeden Fall die richtige Behandlung.

Quellenverzeichnis

Ausgewählte Literatur

Bader, S.; Förster, H. (2008): Männergesundheit heute. Aktiv und fit durchs Leben. München

Fliegel, St.; Veith, A. (2010): Was jeder Mann über Sexualität und sexuelle Probleme wissen will. Ein Ratgeber für Männer und ihre Partnerinnen. Kempten

Harth, W.; Brähler, E.; Schuppe, H. C. (2012): Praxishandbuch Männergesundheit. Interdisziplinärer Beratungs- und Behandlungsleitfaden. Berlin 

Reitz, A. (2007): Vom Bauchnabel abwärts. Das Gesundheitsbuch für den Mann. Stuttgart

Sigusch, V. (2007): Sexuelle Störungen und ihre Behandlung. Stuttgart

Ausgewählte Internetseiten

Österreichische Gesellschaft für Urologie und Andrologie: Patientenratgeber. http://www.uro.at./patienten-informationen/patienten-ratgeber/43-erektionsstoerungen.html 


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