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Blasenschwäche - Was beim Austreten alles eintreten kann

Blasenschwäche beginnt meist harmlos: Anfangs verliert man nur einen einzigen Tropfen Urin, nach einem Jahr sind es plötzlich zwei - und irgendwann so viel, dass man anfängt, den gesamten Alltag darauf auszurichten. Vom unfreiwilligen Harnverlust sind im Alter von 45 bis 80 Jahre rund 12 Prozent aller Männer betroffen. Harninkontinenz ist zwar ungefährlich, rüttelt aber kräftig am männlichen Selbstbild. Blasenschwäche ist kein unabwendbares Schicksal. Mit der richtigen Behandlung können die meisten Betroffenen bald wieder ein normales Leben führen.

Definition

Eine schwache Blase - das klingt unkompliziert! Doch für die Betroffenen, die der plötzliche Drang auf die Toilette treibt und die bereits auf dem Weg die ersten Tropfen Urin verlieren, ist diese Krankheit sehr belastend. Blasenschwäche und unfreiwilliger Harnverlust, die medizinisch als Harninkontinenz (lateinisch = nicht zusammenhalten) bezeichnet werden, sind ein verbreitetes Leiden.

Der menschliche Körper produziert täglich etwa 1,5 bis 2 Liter Harn, die zunächst in die Harnblase gelangen und ab einem Füllvolumen von ca. 300 ml aktiv entleert werden. Fünf- bis achtmal täglich sucht man das stille Örtchen auf, um sich zu erleichtern. Ab dem fünfzigsten Lebensjahr sind ein bis zwei Toilettengänge in der Nacht normal. Das kann auf eine verstärkte Nierentätigkeit mit höherer Urinproduktion, auf eine vergrößerte Prostata oder Medikamenteneinnahme zurückgeführt werden. Mit den Jahren steigt auch die Gefahr einer Blasenstörung mit häufigerem Harndrang, Harnstrahlabschwächung, nächtlichem Wasserlassen bis hin zur Inkontinenz.

Vielfach tun sich Männer schwer, ihre Beschwerden zu artikulieren und sich vertrauensvoll an den Hausarzt oder Urologen zu wenden. Dabei leiden gerade Männer unter Inkontinenz mehr, als sie es zugeben wollen: Zur ständigen Angst vor Geruchsbildung oder dass jemand die Einlagen in der Unterwäsche entdeckt, kommen noch Befürchtungen, dass Kollegen oder Angehörige mit Unverständnis oder sogar Hohn reagieren. Selbst das Liebesleben ist nicht mehr unbeschwert bei der Vorstellung, auch beim Liebesspiel Urin zu verlieren. All diese Ängste treiben die Betroffenen nicht selten in Isolation, Depression und Selbstzweifel. 

Blasenschwäche ist nicht gefährlich, aber für die Betroffenen sehr unangenehm. Wer unter häufigem Harndrang mit kleinen Urinmengen, dem Gefühl der unvollständigen Entleerung, Schmerzen beim Wasserlassen oder mangelnder Harnverhaltensfähigkeit leidet, sollte den Hausarzt oder Urologen frühzeitig konsultieren. Es gibt viele Therapiemöglichkeiten und gute Chancen auf Heilung. Welches Verfahren die größten Erfolgsaussichten bietet, muss im Einzelfall geklärt werden.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Blasenschwäche oder Inkontinenz bei Männern kann durch verschiedene Faktoren verursacht werden:

  • Schwache Beckenbodenmuskulatur: Insbesondere bei älteren Männern, die ihre Beckenbodenmuskulatur nicht ausreichend beanspruchen, setzt häufig nach dem Wasserlassen ein Tröpfchenverlust ein.   
  • Chronische Blasenentzündung: Eine Infektion der Blase geht oft mit vermehrtem Harndrang oder einem Tröpfchenverlust einher. Ursache der Infektion kann auch Resturin sein, der nach dem Entleeren in der Blase verbleibt.
  • Prostatavergrößerung: Bei einer gutartigen Prostatavergrößerung kann sich die Harnröhre verengen und damit zum Abflusshindernis für den Urin werden. Übersteigt der Druck in der Blase den „Gegendruck", den die vergrößerte Prostata auf die Harnröhre ausübt, geht unwillkürlich etwas Urin ab. Weitere Folgeerscheinungen sind Harndrang (auch nachts) und das Gefühl einer unvollständigen Blasenentleerung. Der Beginn des Wasserlassens verzögert sich, der Harnstrahl ist schwächer, unregelmäßiger und bricht zwischendurch sogar ab.
  • Prostatakrebs: Nach einer teilweisen oder vollständigen Entfernung der Prostata tritt als häufigste Komplikation Inkontinenz auf. Die Strahlentherapie kann zeitweise zu einer Dranginkontinenz führen. 

Krankheiten wie Diabetes mellitus, Morbus Parkinson, Schlaganfall, Unfälle etc. können mit einer Inkontinenz einhergehen. Überdies gibt es eine Reihe von Medikamenten, deren Nebenwirkungen die Schließmuskelfunktion beeinträchtigen.

Vorbeugen und Früherkennung

Tafel Blasenschwäche

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, einer Blasenschwäche wirkungsvoll vorzubeugen. Einfache Übungen zur Stärkung der Beckenbodenmuskulatur und eine gesunde Lebensführung unterstützen die natürlichen Funktionen der Blase. 

  • Beckenbodentraining: Der Beckenboden ist einer der Schlüssel, um die Blase (und die Prostata) stark und leistungsfähig zu erhalten. Bewegung fördert die Durchblutung, kräftigt die Muskulatur und steigert die körperliche Fitness, wovon auch die Blase profitiert. Speziell Yoga, Pilates, Nordic Walking, Radfahren, Wandern, Schwimmen, Golfen festigen den Beckenboden und sorgen für Entspannung.
  • Gesunde Ernährung: Nachweislich verursacht Übergewicht keine Inkontinenz, erhöht aber den Druck auf die Blase. Deshalb ist eine vitamin- und ballastreiche Ernährung neben Bewegung der erste Schritt zum Normgewicht - und damit zur Entlastung der Blase.
  • Gesundes Trinken: Etwa zwei Liter Flüssigkeit pro Tag schützen vor Blasensteinen und Infektionen. Harntreibende Getränke wie Kaffee und Alkohol sind Genussmittel und sollten deshalb in Maßen genossen werden. Kurz vor dem Schlafengehen ist die Trinkmenge immer zu reduzieren, um nächtliche Toilettenbesuche einzudämmen.
  • Rezeptfreie Arzneimittel: Speziell die Wirkstoffe des Kürbissamens verringern den Blasendruck, verbessern die Blasenfunktion und senken den Druck auf die Harnröhre. Ebenso tragen Ginkgo-Präparate dazu bei, die Blasenmuskulatur besser zu durchbluten.

Wer dauernd ein WC aufsucht und darunter leidet, dass vorher was danebengeht, sollte Angst und Scham überwinden und sich frühzeitig seinem Hausarzt oder einem Urologen anvertrauen. Blasenschwäche ist gut behandelbar und kein Schicksal, das man hinnehmen muss.

Symptome und Beschwerden

Harninkontinenz tritt in verschiedenen Situationen und in unterschiedlichem Ausmaß auf. Grundsätzlich gibt es verschiedene Formen von Harninkontinenz, die wiederum mit unterschiedlichen Beschwerden einhergehen.

  • Dranginkontinenz: In diesen Fällen kann der Mann den plötzlichen starken Drang zu urinieren nicht mehr steuern, und es kommt zu einem unwillkürlichen Urinverlust. Der Grund dafür ist, dass die „überaktive" Blase keine „normalen Urinmengen" mehr aufnehmen kann, ohne dass ein ständiger überwältigender Harndrang verspürt wird. Zwischen 40 und 80 Prozent der betroffenen Männer leiden an dieser Inkontinenzform.  
  • Belastungs- oder Stressinkontinenz: Durch eine körperliche Aktivität (z. B. Heben, körperliches Training, Niesen, Husten etc.) erhöht sich der Druck auf die Blase bzw. den Blasenschließmuskel, was gleichfalls zu unwillkürlichem Urinverlust führt. Grundsätzlich tritt diese Inkontinenzform aufgrund der männlichen Anatomie nur in knapp 10 Prozent der Fälle auf. Allerdings kann es infolge von Operation oder Unfällen mit Verletzungen im Becken- oder Schließmuskelbereich auch zu Belastungsinkontinenz kommen.
  • Gemischte Inkontinenz: In 10 bis 30 Prozent der Fälle liegen Mischformen zwischen Drang- und Stressinkontinenz vor.  
  • Überlaufkontinenz: Wenn eine verengte Harnröhre eine vollständige Entleerung erschwert, erhöht sich die Urinmenge in der Blase. Bedingt durch eine Überdehnung, kommt es zum Kontrollverlust der Blase. Meist ist eine vergrößerte Prostata ausschlaggebend für die Harnröhrenverengung.
  • Funktionelle Inkontinenz: Körperliche und seelische Beschwerden wie mangelnde Mobilität im Alter, Pflegebedürftigkeit etc. können jeden Toilettengang erschweren. Mittel- oder langfristig kommt es zu Funktionsstörungen.

Oftmals suchen männliche Patienten erst dann einen Arzt auf, wenn der Leidensdruck unerträglich geworden ist. Gründe dafür sind zum einen die Angst vor unangenehmen Untersuchungen und zum anderen die Scheu, Symptome und Beschwerden einem Arzt gegenüber anzusprechen. Darüber hinaus herrscht noch immer die weit verbreitete Meinung, Harninkontinenz sei kein echtes medizinisches Problem.

Untersuchung

In einem ausführlichen Gespräch mit dem behandelnden Hausarzt oder Urologen werden zunächst Art, Ausmaß und Zeitpunkt des Urinverlusts sowie begleitende Erkrankungen abgeklärt. Wichtig ist auch eine Klärung der augenblicklichen Medikamenteneinnahme, da manche Arzneien eine Inkontinenz fördern.

Um die Form der Harninkontinenz zu klären, bedarf es einer abgestuften Diagnostik:    

  • Miktionsprotokoll: Die Wahrnehmung einer Blasenstörung ist immer subjektiv. Im Miktionsprotokoll (Miktion = Blasenentleerung) notiert der Patient, wann und wie viel Wasser er lassen musste, wie stark der Harndrang vor dem Toilettengang war und ob es zu einem unwillkürlichen Harnabgang kam. Außerdem vermerkt er, wann und wie viel er getrunken hat und ggf. wie viele Vorlagen bzw. Windeln er verbraucht hat. Anhand der schriftlichen Aufzeichnungen lässt sich die Krankheit besser objektivieren und diagnostizieren.
  • Körperliche Untersuchung: Neben der allgemeinen körperlichen Untersuchung findet auch eine Untersuchung der äußeren Genitalien und des Enddarms statt. Damit kann der Arzt den Spannungszustand der Schließmuskeln überprüfen und beurteilen, ob eventuell eine Prostatavergrößerung die Inkontinenz verursacht.
  • Blasendruckmessung: Um den Druck bei zunehmender Blasenfüllung und während des Wasserlassens zu messen, muss ein dünner Schlauch in die Harnblase eingelegt werden. Die Diagnosewerte zeigen auf, wie stark der Schließmuskel ist, bei welcher Füllungsmenge der Betroffene bereits Harndrang verspürt, welchen Druck die Blase beim Wasserlassen entwickelt und wie hoch das maximale Fassungsvermögen der Blase ist.
  • Urinuntersuchung: Mit Hilfe von Teststreifen werden Blutbeimengungen, Eiweiß und Bakterien im Urin nachgewiesen sowie der pH-Wert ermittelt. 
  • Ultraschall: Dabei wird der obere und untere Harntrakt und die Nieren kontrolliert, um Narben, Entzündungen oder Harntransportstörungen als Ursachen für die Harninkontinenz auszuschließen. Überdies kann per Ultraschall geklärt werden, ob die Blase nach dem Wasserlassen völlig entleert ist oder ob Resturin zurückbleibt.

In den meisten Fällen zeigen bereits diese Untersuchungsergebnisse, unter welcher Form der Inkontinenz der Patient leidet. Handelt es sich um eine komplizierte Harninkontinenz oder führen erste Therapiemaßnahmen nicht zum gewünschten Erfolg, sind weiterführende Untersuchungen wie Blasenspiegelung, bildgebende Verfahren etc. notwendig.

Therapie und Nebenwirkungen

Ausgehend von der Tatsache, dass einer Harninkontinenz unterschiedliche Ursachen mit vielfältigen Symptomen zugrunde liegen können, gibt es auch keine pauschale Therapieempfehlung bei Inkontinenz. Jede Behandlung muss individuell auf Ursache, Art und Ausmaß der Beschwerden und die jeweilige Lebenssituation abgestimmt werden. Zum Einsatz können folgende Therapiebausteine kommen:

  • Beckenbodentraining: Ziel der gymnastischen Übungen ist es, den gesamten Muskelapparat des Beckenbodens zu kräftigen und den Blasenschließmuskel zu stärken. Vielfach ist Männern gar nicht bewusst, dass diese Muskelgruppen willkürlich angespannt werden können. Da die einzelnen Übungen auf Alter und Beweglichkeit des Patienten abgestimmt werden müssen, bedarf es eines ausgebildeten Krankengymnasten oder Physiotherapeuten. Empfehlenswert ist auch der Besuch von Yoga- oder Pilates-Kursen. 
  • Gewichtsabnahme: Übergewicht wirkt sich in vielerlei Hinsicht ungünstig auf die Gesundheit aus und drückt kräftig auf die Blase. Wer langsam mit Ernährungsumstellung und viel Bewegung sein Gewicht reduziert, kann damit auch die Symptome der Inkontinenz verbessern. 
  • Toiletten-Training: Das Training ist eine wirksame Maßnahme insbesondere für ältere Menschen, die jegliche Kontrolle über ihre Ausscheidungen verloren haben. Das Toilettentraining setzt sich aus drei Hauptstrategien zusammen: dem Miktions-, dem Blasen- und dem Verhaltenstraining. Durch ein konsequent durchgeführtes Toilettentraining stellen sich schnell Erfolge ein. 
  • Biofeedback: Die Beckenbodengymnastik kann mittels Biofeedback unterstützt werden, da das Gerät die jeweilige Muskelanspannung messen und dem Patienten über eine Leuchtanzeige oder ein Signal mitteilen kann. 
  • Elektrostimulation: Eine in den Darm eingesetzte Sonde kann über schmerzfreie elektrische Impulse den Schließmuskel zu vermehrter Aktivität anregen. Bei regelmäßiger Anwendung (2x 30 Minuten pro Tag) werden nach etwa sechs Monaten Erfolgsraten von fast 90 Prozent erzielt. 
  • Medikamente: Für die Behandlung der bei Männern am häufigsten vorkommenden Dranginkontinenz stehen zahlreiche Medikamente bereit. 
  • Inkontinenzhilfen: Gute Dienste leisten verschiedene Inkontinenzartikel und Pflegewäschen, die den persönlichen, sozialen und hygienischen Ansprüchen Rechnung tragen und dem Betroffenen ein gesellschaftliches Leben ermöglichen. Allerdings sind Vorlagen bzw. Windeln, Hosen etc. immer nur als Ergänzung zu einer Behandlung einzustufen.

Gewöhnlich kommen zunächst Maßnahmen wie das Beckenbodentraining, Biofeedbacktraining, die Elektrostimulation zum Einsatz, teilweise in Kombination mit Medikamenten. In den meisten Fällen bildet sich die Harninkontinenz komplett oder zumindest teilweise zurück. Beim Versagen aller anderen Therapien stehen der Medizin eine Reihe operativer Verfahren wie Harnröhrenunterspritzung und Schlingentechnik zur Verfügung.

Angestrebtes Ziel der Operationsverfahren ist die vollständige Kontinenz. Immerhin sind heute 90 Prozent aller Inkontinenzfälle heilbar.

Quellenverzeichnis

Ausgewählte Literatur

Corazza, V.; Daimer, R.; Ernst, A. (1997): Kursbuch Gesundheit. Beschwerden und Symptome, Krankheiten, Untersuchungen und Behandlungen, Selbsthilfe. Gütersloh

Corvin, St.; Hamerl, H. (2010): Volkskrankheit Harninkontinenz. Ein Selbsthilfebuch. Audio-CD. München

Freimann, A. (2007): Wege aus der Blasenschwäche. Hannover

Schön, G.; Seltenreich, M. (2011): Inkontinenz. Ein mutmachender Ratgeber für Betroffene, Angehörige und Pflegende. Wien

Soeder, S.; Dorey, G. (2010): Ganz Mann! Ganz fit - Das Beckenboden-Training für mehr Potenz und Kontinenz! Stuttgart

Sökeland, J.; Rübben, H. (2007): Urologie. 14. Auflage, Stuttgart

Stoffel, F.; Gasser, Th. (2001): Die Harninkontinenz beim Mann. In: Schweiz Med. Forum, H. 48/11

Ausgewählte Internetseiten

Apotheken Umschau: Harninkontinenz (Blasenschwäche). www.apotheken-umschau.de/Harninkontinenz
Berufsverband der österreichischen Urologen: Harninkontinenz. www.urologisch.at/harnverlust.php 

Medizinische Kontinenzgesellschaft Österreich (MKÖ): Aktionstag „Gesunde Blase" Information zur Vorbeugung und Behandlung. www.kontinenzgesellschaft.at/index.htm 

Medizinische Kontinenzgesellschaft Österreich (MKÖ): Miktionsprotokoll für Erwachsene. www.kontinenzgesellschaft.at/bi_inkontinenz_harn.htm 

Netdoktor: Harninkontinenz. www.netdoktor.at/krankheiten/fakta/harninkontinenz.shtml
Urologenportal: Der unwillkürliche Harnverlust (Harninkontinenz). www.dgu.de/harninkontinenz.html#c155 


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