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Masterplan: Vorsorge und Früherkennung

Werden Männer krank, gehen sie seltener und später zum Arzt als Frauen. Auch bei der Vorsorge zeigen sich also deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Nur jeder achte Mann nimmt alle drei Jahre regelmäßig an der Gesundenuntersuchung teil. Dabei ist diese Vorsorge besonders effektiv, um unter anderem Herz-, Nieren- und die Zuckerkrankheit frühzeitig aufzudecken.

 

An apple a day keeps the doctor away

Ärztin gibt Mann einen Apfel

Gerade für die Gesundheit gilt: Vorsorgen ist besser als heilen. Auch wenn sich die medizinischen Behandlungsmethoden weiterhin verbessern werden, kann die „Reparaturmedizin" nicht annähernd so viel für das persönliches Wohlbefinden und die Gesundheit tun wie jeder Mann selbst. Dazu gehört ein aktiver Lebensstil mit ausreichender Bewegung, gesunder und ausgewogener Ernährung, Alkohol in Maßen und möglichst kein Nikotin. Die Inanspruchnahme der kostenlosen Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen der gesetzlichen Krankenversicherungen zählt auch dazu. 

Am „Gesundheits-TÜV" können alle Männer mit vollendendem 18. Lebensjahr im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung teilnehmen. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Früherkennung von Herz-, Kreislauf- und Nierenerkrankungen sowie Diabetes. Überdies geben Ärztin oder Arzt auch Hinweise und Ratschläge zu den starken und schwachen Seiten der persönlichen Gesundheit. Im Gegensatz zur gesetzlich vorgeschriebenen TÜV-Untersuchung bei Kraftfahrzeugen geht man zur Vorsorgeuntersuchung freiwillig.
Zur Gesundheitsvorsorge gehört auch die Krebsfrüherkennung. Erkrankungen, die sich noch nicht durch Beschwerden bemerkbar machen, können so frühzeitig diagnostiziert werden. Frühzeitiges Erkennen verbessert die Erfolgsaussichten bzw. die Behandlung vieler Tumore und kann dadurch Leben retten.

Männer meiden Vorsorge

Jeder gesetzlich Krankenversicherte hat ein Recht auf regelmäßige kostenlose Vorsorgeuntersuchungen. Dabei ist zwischen Vorsorge und Krebsfrüherkennung zu unterscheiden.

Vorsorgeuntersuchungen: Mit den Vorsorgeuntersuchungen können Gefahren für die Gesundheit rechtzeitig erkannt werden. Denn für viele Krankheiten gilt: Je früher der Arzt diagnostiziert, desto größer sind die Heilungschancen. Manche Erkrankungen lassen sich sogar ganz vermeiden, wenn dem Patienten die entsprechenden Risikofaktoren bekannt sind und er bereit ist, bestimmte Lebensgewohnheiten zu ändern (z. B. bei Übergewicht, Bewegungsmangel etc.).   

Krebsfrüherkennungsuntersuchungen: Hier geht es darum, Tumore in einem frühen Stadium zu entdecken und damit die Heilungschancen zu verbessern. Durch Früherkennung wird Krebs also nicht verhindert, sondern lediglich frühzeitig aufgespürt und behandelt. Einige Krebsarten entstehen langsam und über Vorstufen. Im Rahmen von Krebsfrüherkennungsuntersuchungen können diese entdeckt und direkt beseitig werden (z. B. bei der Darmspiegelung), bevor überhaupt eine Krebserkrankung entstehen kann. Allerdings kann es vorkommen, dass sehr kleine Tumore gefunden und behandelt werden, von denen nicht sicher ist, ob sie jemals „lebensgefährlich" geworden wären.

Vorsorge für eine gesunde Zukunft

Auch wenn Sie sich fit fühlen, den Check-up sollten Sie alle zwei bzw. drei Jahre unbedingt durchführen lassen. Schwerpunkt ist die Früherkennung von Herz-, Kreislauf- und Nierenerkrankungen sowie Diabetes. Darüber hinaus gibt Ihnen Ihr Arzt auch Hinweise und Ratschläge zu den schwachen und starken Seiten Ihrer Gesundheit.

Vorsorge statt Krankheit

Mit vollendetem 18. Lebensjahr besteht in Österreich der gesetzliche Anspruch auf einen kostenlosen jährlichen Gesundheits-Check. Die Empfehlung der Sozialversicherungen, die auf wissenschaftlichen Evidenzen basiert, sieht eine gründliche Vorsorgeuntersuchung bis zum vierzigsten Lebensjahr im dreijährigen und jenseits der vierzig im zweijährigen Intervall vor.

Der Basischeck dient der Früherkennung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck und Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz), Nierenleiden und Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) und Fettstoffwechselstörungen. Für diese Krankheiten gibt es eine ganze Reihe von Risikofaktoren, die vermieden oder zumindest minimiert werden sollten. Werden diese Krankheiten frühzeitig diagnostiziert und behandelt, lassen sich gefährliche Folgeschäden meist verhindern.

Einladungsservice der Krankenkassen

Um die Inanspruchnahme der Versicherten an der Gesundenuntersuchung zu erhöhen, haben die gesetzlichen Sozialversicherungen kürzlich ein Einladungssystem eingerichtet. Im Frühjahr und Herbst werden Versicherte, die

  • einer bestimmten Gruppe mit erhöhtem Erkrankungsrisiko angehören und
  • bislang die Vorsorgeuntersuchung nicht in Anspruch genommen haben

gezielt angeschrieben und zur Untersuchung eingeladen. Diese persönliche Einladung ist nicht als Verpflichtung, sondern als Erinnerung zu verstehen.

TÜV-Termin für den Körper

Stethoskop mit Apfel

Das gründliche „Durchchecken" kann von niedergelassenen Allgemeinmedizinerinnen/-medizinern sowie Fachärztinnen/-ärzten für Innere Medizin in der Praxis oder im Ambulatorium durchgeführt werden. Der Check-up umfasst die Anamnese, die körperliche Untersuchung sowie die ärztliche Beratung

Abfrage der bisherigen Krankengeschichte
Zu jeder Untersuchung gehört das ausführliche Eingangsgespräch (Anamnese). Dabei stellen Ärztin bzw. Arzt eine medizinische Vorgeschichte zusammen, die über Vorerkrankungen, persönliche Lebensgewohnheiten und -umstände (Rauchen, Alkohol etc.), den gegenwärtigen Gesundheitszustand und mögliche Risikofaktoren entsprechende Informationen enthält.

Körperliche Untersuchung
Verschiedene Untersuchungsbausteine schaffen einen guten Überblick über die Gesamtkonstitution des Mannes (Größe, Gewicht, Body-Mass-Index):

  • Abhören von Herz und Lunge 
  • mit gründlicher Überprüfung von Herz, Lunge, Kopf, Hals, Bauch, Wirbelsäule, Bewegungsapparat, Nervensystem und Sinnesorganen,
  • Elektrokardiogramm (EKG),
  • Lungenfunktionsprüfung,
  • internistischer Befund (Abhören von Herz und Lunge, Gefäßstatus),
  • Messen des Blutdrucks und der Pulsfrequenz,
  • Blutuntersuchung (Blutzucker, Blutfette Gesamtcholesterin, Glukose),
  • Harntestuntersuchung (Eiweiß, Glukose, Erythrozyten, Leukozyten und Nitrit),
  • Stuhluntersuchung (ab 50. Lebensjahr),
  • Hör- und Sehtest.

Beratungsgespräch
Sobald sämtliche Laborbefunde vorliegen und die bildgebenden Verfahren ausgewertet sind, informieren Ärztin bzw. Arzt den Patienten ausführlich über die Untersuchungsergebnisse und ggf. über das individuelle Erkrankungsrisiko. Im gemeinsamen Gespräch wird überlegt, welche gesundheitsfördernden Veränderungen des Lebensstils gesetzt werden können. Kernthemen sind Bewegung, Ernährung, Raucherentwöhnung etc. 

Bei Vorliegen oder Verdacht einer Erkrankung erfolgt die Überweisung an die entsprechenden Fachärzte, z. B. an den Zahn-, Augen- und HNO-Arzt oder den Urologen.

Im Zusammenhang mit der Früherkennung von Krankheiten werden oftmals private Zusatzleistungen durch den Arzt angeboten. Diese individuellen Leistungen können im Einzelfall zwar sinnvoll sein, zählen aber nicht zum Früherkennungsprogramm und müssen daher vom Patienten selbst bezahlt werden.

Früherkennung heißt länger leben

Kalendereintrag Krebsvorsorge

Obwohl jährlich bei 19.626 Männern (2009) eine Krebsneuerkrankung diagnostiziert wird, nehmen nur 11,9 Prozent der Männer eine Vorsorgeuntersuchung in Anspruch. Dabei ist der Nutzen von systematischen Früherkennungsuntersuchungen im Hinblick auf Krebs in zahlreichen internationalen Studien nachgewiesen.

Da eine Krebserkrankung im Anfangsstadium kaum Schmerzen verursacht, wird sie oft erst dann diagnostiziert, wenn es unter Umständen schon zu spät ist. Wird ein Karzinom im Frühstadium erkannt und behandelt, sind die Heilungschancen sehr groß. Deshalb ist es wichtig, regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung und ab dem Alter von fünfzig Jahren speziell zur Krebsfrüherkennungsuntersuchung zu gehen.  

Empfehlungen zu den Früherkennungsuntersuchungen sind im „Europäischen Kodex gegen Krebs" enthalten. In Österreich geht das kostenlose Früherkennungsprogramm weit über den europäischen Kodex hinaus. Bereits im Rahmen der ersten Vorsorgeuntersuchung findet im Eingangsgespräch eine ausführliche Erhebung der persönlichen und familiären Krankheitsgeschichte - auch hinsichtlich Krebserkrankungen - statt. Darüber hinaus bieten gesetzliche Krankenkassen verschiedene Krebsfrüherkennungsuntersuchungen speziell für Männer an, deren medizinischer Nutzen wissenschaftlich nachgewiesen ist.

Krebsfrüherkennung der gesetzlichen Krankenkassen für Männer

Krebsfrüherkennung 

Anspruchsalter 

Empfohlenes Untersuchungsintervall 

Erläuterung 

 Darmab 50 Jahrezweijähriger Rhythmus im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung Test auf fäkal okkultes Blut im Stuhl
 ab 50 Jahre  alle 10 JahreFrüherkennungs-Darmspiegelungen (Koloskopie) 
 Prostata (PSA-Test)ab 50 Jahrezweijähriger Rhythmus im Rahmen der VorsorgeuntersuchungNach ärztlicher Beratung und Aufklärung sowie auf Nachfrage des Mannes wird der PSA-Test (prostataspezifisches Antigen) im Blut durchgeführt.

Quelle: Vorsorgeuntersuchung Neu, hrsg. von der Sozialversicherung, Wien 2010.

Unabhängig von der geregelten Früherkennung kann jeder einzelne Mann auch selbst etwas tun. Insbesondere bei Prostata-, Haut- oder Hodenkrebs lässt sich durch regelmäßige Selbstkontrolle und Abtasten die Chance erhöhen, die Krankheit rechtzeitig zu entdecken. Fachärzte geben Auskunft, wie man dabei am besten vorgeht und worauf zu achten ist.    

Weitere Informationen finden Sie unter dem Gesundheitsportal Österreich und dem Männergesundheitsportal Deutschland.
 

Quellenverzeichnis

Ausgewählte Literatur

Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger (2010): Bericht des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger an das Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz. Wien

Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger (2005): Chancen und Nutzen der neuen Vorsorgeuntersuchung inklusive Beschreibung der medizinischen Intervention für Nichtmediziner. Informationsunterlage. Wien  

Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger (2011): Handbuch der österreichischen Sozialversicherung. Wien

Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger (2011): Die österreichische Sozialversicherung in Zahlen. Wien 8/2011

Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger (2011): Statistisches Handbuch der österreichischen Sozialversicherung. Wien

Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger (2011): Vorsorgeuntersuchung Neu. Wien  

Institut für Gesundheitsförderung und Prävention (2010): TeilnehmerInnenzufriedenheit mit der Servicequalität bei der Vorsorgeuntersuchung Neu 2010. Graz

Ausgewählte Internetseiten

Berufsverband der österreichischen Urologen: Androcheck-Folder. Online unter www.urologisch.at 

Berufsverband der österreichischen Urologen: Urologisch. Online unter http://www.urologisch.at 

Europäische Kommission: Europäischer Kodex gegen den Krebs. Online unter http://ec.europa.eu/health/ph_information/dissemination/diseases/docs/cancercode_de.pdf

Österreichische Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie: Projekt Qualitätssicherung Vorsorge -Koloskopie. Online unter www.oeggh.at 

Österreichische Sozialversicherung: Informationsfolder. Online unter www.sozialversicherung.at 

Weiterführende Literatur

Bartens, W. (2008): Vorsicht Vorsorge! Wenn Prävention nutzlos oder gefährlich ist, Frankfurt. 

Stiftung Warentest (2011): Gesunde Prostata. Von Vorbeugung bis Heilung. Berlin


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